Toco-Source statt Open Source Festival

Schaurig düster ging’s zu. Mit den Worten „Preiset Satan“ schickte Dirk von Tocotronic die Fans beim Düsseldorfer Open Source Festival in den Song „Let there be Rock“. Die Bühne vor der poshen Kulisse der Düsseldorfer Pferderennbahn in undurchsichtigen Nebel gehüllt. Begonnen hatte er mit dem Versprechen: „Time to party“ und den ersten Text-Zeilen:“Ich weiß nicht, wieso ich euch so hasse…“ – auch ein schöner Anfang für ein Konzert. Tocotronic mit dem Hauch von Metal.

Revolte lohnt sich also noch, wenn es nach den Musikern aus Hamburg geht: „Wir wollen Teil der Lösung sein und nicht des Problems“ rief Dirk völlig außer Atem von seinem Gesang als Einleitung zu „Verschwör dich gegen dich“. Ein Gesang, der verglichen zu den Studio-Aufnahmen extrem melodisch und unerwartet geriet. Grandioser Auftritt. Die Gitarren liefen heiß – wenn auch für meine Begriffe etwas zu undynamisch voneinander abgegrenzt. Und wenn man dann auch noch zum Mitskandieren von „Aber hier leben, nein danke“ aufgerufen wird, ist der Abend perfekt.

Leider war vorher auf dem Open Source ,im Gegensatz zu dem Festival vor zwei Jahren (damals dabei Mouse on Mars, Zoot-Woman, Phoneheads) wirklich tote Hose. Dieses mal war die Musik war völlig unspannend. „Stabile Elite“ hatten genau einen guten Song, dass sie zwischendurch „Düsseldorf. Düsseldorf“ riefen, machte den Auftritt auch nicht besser (sympathisch unkommerziell dagegen: „Unsere Platte ist bis heute leider nicht fertig geworden, ihr könnt sie ja dann später kaufen“). Der Gesang bei „Er France“ war eher schräg als schön, „Musiccargo“ hat wohl zu viel Westernhagen und Heinz Rudolf Kunze gehört, ihr Schrei nach Liebe tat einfach nur weh. Penelopes Reggae-Mix auf der kleinen Carhartt-Bühne hatte was, wurde aber auch schnell eintönig. Und die Young-Talents-Bühne im Container war definitiv zu klein. Stimmung also allgemein so wie im Bild (nach dem ersten und einzigen Regenschauer).

Nur noch „The Streets“ boten zumindest etwas Konzert-Atmosphäre – musikalisch aber nicht ganz mein Ding. Und der Veranstaltungsort nervte mit seinem versnobbten Düsseldorf-Image – die Stände der kleinen Düsseldorfer Mode-Inn-Läden halfen da leider nicht wirklich.

Vorschlag: Wenn schon auf der Rennbahn, dann die Örtlichkeit ironisch brechen und hier Sekt und Erdbeeren anbieten, vielleicht sogar mit vorgeschriebener Garderobe. So war es ein seltsames Mischmasch – wer Golfer beobachten wollte, die in einiger Entfernung hinter der Hauptbühne ihre Bälle schlugen konnte selbst das tun! Einen ersten Eindruck der Möglichkeiten in dieser Richtung lieferte das blutige Open Horse Festival Poster (ein in der Mitte durchgeschnittenes Pop-Art-Pferd), das wir an einem Stand unbedingt kaufen mussten.

Deshalb noch mal: Großer Dank an Tocotronic. Schade, dass die Zugabe so kurz war.

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