Bildungsstreik II

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zieht unter der krassen Überschrift „Bomben auf Bologna“ nicht nur über protestierende Studierende her, sondern zieht auch schräge Vergleiche. Eine Stilkritik:

Die Bologna-Erklärung ist noch nicht einmal so lang wie zum Beispiel eine Duineser Elegie – und nicht im entferntesten so schön.

Nun, was will uns der Dichter damit sagen? Er kennt anscheinend die Länge sowohl einer politischen Absichtserklärung zum Bildungswesen, als auch die Blätter Papier, die Rilke mit den Elegien beschrieben hat. Und drittens: Er kann die Schönheit eines politischen Textes mit einem poetischen Abwägen. Allerhand.

Jetzt habe ich nicht die Zeichen durchgezählt, aber man mache sich vielleicht selbst ein Bild zur Aussage. Ich wage die These: Bologna-Erklärung vs. Duineser Elegien – Bologna ist länger.
Duineser Elegien
Bologna-Erklärung
Übrigens sind die Elegien wirklich schön, kann ich nur empfehlen. Und bei der Gelegenheit auch auf Archaischer Toros Appolos verweisen, auf dem Sloterdijk seine These des ständigen Rufs der Welt, man müsse sein Leben ändern aufbaut. Auch ja, länger als eine Twitter-Nachricht ist die Bologna-Erklärung auch – so what?

Was noch aufregt: Die Überschrift: „Bomben auf Bologna“ (wer das googelt kommt hinzu noch auf einen Bombenanschlag auf den Bahnhof von Bologna) ist nicht nur krass zugespitzt, sondern findet im Text nur dort Bezüge, wo er versucht, originell zu sein. Beim „Stürmen“ des Mainzer Abgeordnetenhaus sollen „Unbekannte“ ein Flugblatt verteilt haben, auf dem eine im Haus entwendete DDR-Schreibmaschine im RAF-Stil als Gefangene tituliert wird.

Dass Studierende vorher auch als Rebellen bezeichnet werden und es heißt sie hätten gemerkt,

wie wunderbar mächtig man sich fühlen kann, wenn man den Universitätsrektor als „Feigling“ oder „Autokraten“ beschimpft

lässt zusammen mit der im Schluss formulierten These die Studierenden würden langsam die Geduld verlieren (wo gibt es dazu bitte Anhaltspunkte! vor allem wo in dem Artikel, liebe FAZ) zumindest ein ungutes Gefühl zurück – da passt manches nicht zusammen.

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