Currywurst-Portfolio – dghd16 in Bochum

Nicht viel mitbekommen
Ich hab nicht viel mitbekommen. Aber was ich mitbekommen habe, war toll. Es geht um die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik in Bochum. Es war einfach zu schnell. Nicht wegen der Tagung, sondern wegen mir. Meine erste Tagung als Vorstandsmitglied. Das mögen andere langweilig finden, ich fand es extrem aufregend. Auch weil wir auf der Tagung das Positionspapier Hochschuldidaktik 2020 in der Mitgliederversammlung besprechen wollten und am Ende der Tagung eine Podiumsdiskussion mit wichtigen Vertreter_innen verschiedener Bereiche stattfinden sollte. Und dann noch zwei Beiträge mit Lehrenden „meiner“ Hochschule gemeinsam, das Treffen der AG Digitale Medien und Hochschuldidaktik und ein internes Treffen der Forschungskommission. Nun ja, aufgeregt bin ich vor Tagungen immer (mal):

freu mich xtrem auf #gmw16 auf tolle loide, Diskussionen & Beiträge (tldr) bin vor Tagungen aber auch IMMER nervös. #mussmanauchmalsagen

— Timo van Treeck (@timovt) 28. August 2016

Ach, die Anderen!
So viel vorweg: Hat alles gut geklappt. Warum? Wegen der Leute! Die Leute, die vor der Tagung auch flexibel schauen, wo man noch untergekommen kann. Die Leute, die in Blogstöckchenaufrufen gute Beiträge einbringen. Die Leute, die in einer AG wichtige Themen anreißen und vorantreiben. Die Leute, die vor der Mitgliederversammlung online das Positionspapier ausgiebig und konstruktiv kommentiert haben. Die Leute mit denen man im Team per Whatsapp-Gruppe schnell abstimmen kann, wer welche Beiträge besucht. Die Leute die für die nächste Tagung in Köln vor Ort Eindrücke sammeln und die Leute, die gerne Auskünfte geben. Die Leute, die eine Tagungsatmosphäre schaffen, in der gute Beiträge gut aufgenommen werden können, weil Verpflegung und Orga stimmen. Könnte noch lange gehen, die Auflistung….gerne in den Kommentaren ergänzen!

Was habe ich sonst mitbekommen/mitgenommen?

Großes Wiedersehen und viele Arbeitsideen
Die AG Digitale Medien und Hochschuldidaktik hatte sich zuletzt auf der GMW-Tagung in Innsbruck in kleiner Runde getroffen, auf der dghd-Jahrestagung war der reservierte Raum propevoll. Und es gab zahlreiche Themen zu besprechen, zu twittern, Hinweise auf Beiträge von Mitgliedern der AG auf der Tagung zum Vertiefen und für mich persönlich gibt es mindestens zwei Themen an denen ich aktiv weiterarbeiten möchte. Eines, das ich selbst eingebracht habe: Die Möglichkeiten einer virtuellen/digitalen Hospitation zu erkunden und zu gestalten.
Ansonsten ist das eine Arbeitsgruppe, für die immer wieder zu wenig Zeit bleibt, obwohl sehr konkret gearbeitet wird. Ich würde jetzt schreiben, dass ein Treffen außerhalb der Tagungen mal wieder sinnvoll wäre, aber bis März ist das unrealistisch. Gleichzeitig gibt es ein paar Überlegungen, für virtuelle nächste Schritte. Da bin ich aber auch mit meinen Hausaufgaben noch in Verzug.

Schlechte Stimmung bleibt im Projekt, die Mitarbeiter_innen gehen
In der für mich recht launig unterhaltsamen, teilweise bösen (im guten Sinne) Keynote von Peer Pasternack lag der Fokus darauf, dass die Inszenierung von Erfolg ein wichtiger Aspekt sei, um auch als erfolgreich wahrgenommen zu werden. Was mir an der Stelle fehlte ist: Die Begeisterung dafür, eine Sache gut zu machen. Ein Blick, der darüber hinausgeht, nur Erleichterungen für Lehrende zu bieten. Meiner Erfahrung nach ist die vorgetragene rein ökonomische Sicht keine, die den Realitäten nur ansatzweise entspricht. Jeder will seine Tätigkeit gut machen, will Freude daran haben und gerade im Bildungsbereich darf das nicht fehlen. Und auch bei der Frage, wie man mit Mitarbeitern in zu Ende gehenden Projekten umgehen sollte, gehe ich mit der Antwort nicht mit. Hier erfolgte eine Abwägung zwischen: Orientieren sich die Mitarbeiter_innen frühzeitig anders, weil sie vom Ende des Projektes wissen und stören damit Stimmung und Erfolg des Projektes oder erfahren sie es erst spät und haben deshalb nur eine ‚kurze Trauer- und Umorientierungsphase‘? Letzteres kann und darf es nicht sein. Natürlich gab es in der Keynote damit gute kontroverse Anstöße, die man noch intensiv weiter bearbeiten sollte. Dass – wie Pasternack auch betonte – der Qualitäts-Pakt Lehre nicht nur ein Innovationsprogramm ist, sondern aus ihm auch Ausgaben gestemmt werden, die eigentlich zu den Normalaufgaben gehören, wie z.B. die Bewältigung von Studienanfängerzahlen, das kann man imho gar nicht oft genug betonen.

Mobile Räume
Im DisQ-Space-Part mit den TH-ProfessorInnen Yvonne-Beatrice-Böhler und Christian Kohls hatten wir dann viel aufgefahren: Ein großer Koffer, planten einen einen Drucker zu nutzen, Bilder der Blogstöckchensammlung aus diesem Blog waren auf DINA4 ausgedruckt und aufgehangen, ein großes Poster der Unterrichtstaxonomie von Baumgartner im Hintergrund und als Handout zum Einsortieren / als Anregung für Lehr- und Lernraumkonstruktionen, Impulskarten. Puh. War aber nicht erschlagend, sondern wurde sehr unterschiedlich von den Menschentrauben an unserem (an den anderen Stationen des DisQ-Spaces sammelten sich immer ähnlich viele Menschen) Stand genutzt. Der Ansatz, mit einem Kurzvortrag einzusteigen und dabei verschiedene Anregungen zu geben, einen Lehr-Lernraum zu entwickeln, hat sehr unterschiedliche, kreative Ideen hervorgebracht: So spiegelten sich in einem Raum-Setting mit beweglichen Objekten die verschiedenen Phasen des Think-Pair-Share, in einem anderen wurden virtuelle Räume und analoge Räume als zwei Raumebenen miteinander verknüpft (inkl. Rutsche) und die Auswirkungen eines beweglichen, fahrenden Raumes auf Lernprozesse und Austausch wurde von den Teilnehmenden thematisiert.

Lernräume in der Verbindung von Präsenz & Virtualität gestalten; individuelle Kompetenzentw. ermöglichen #dghd16 pic.twitter.com/N3CfPlAagc

— Angelika Thielsch (@AThielsch) 22. September 2016

Auch konnten wir Einblick erhalten, in eine Raumplanung, die ein Teilnehmender in seinem Notebook parat hatte. Gäbe hier noch viel mehr zu berichten, eine systematische Auswertung ist geplant (mehr Fotos noch am Ende des Posts).

Nachwuchspreis für hochschuldidaktische Forschung: Textarbeit
Den Johannes-Wildt-Nachwuchspreis für hochschuldidaktische Forschung konnten wir dieses Jahr für Anja Centeno Garcías Promotionsarbeit zum Thema „Textarbeit in der geisteswissenschaftlichen Lehre Linguistische sowie didaktische Analyse und Modellierung für die Hochschule“ vergeben. Was mich besonders gefreut hat, da es vielleicht ein Thema ist, das nicht jeder direkt mit Hochschuldidaktik verbindet. Die Vergabe zeigt damit, wo überall aus den Fächern eine komplexe, angemessen, theoriegeleitete Auseinandersetzung mit Hochschuldidaktik möglich ist. Hierzu noch weiteres spätestens im nächstens dghd-Newsletter. Die Ausschreibung für die Vergabe des Preises bzw. der Preise (es können auch Master und Bachelor-Abschlussarbeiten eingereicht werden) im Rahmen der dghd-Tagung an der TH Köln läuft übrigens noch bis zum 15.12., mehr unter: http://www.dghd.de/nachwuchspreis-hochschuldidaktische-forschung.html 

Zeit im Flipp
Noch kurz erwähnt, aber hoffentlich auch in nicht allzu ferner Zukunft als Veröffentlichung nachzulesen: Eine Professorin von uns, Yvonne Beatrice Böhler, hatte die Idee, den Workload der Studierenden in ihrer Flipped-Classroom-Umsetzung zu untersuchen. Ich habe ein wenig dabei beraten, wir haben uns auf die ZeitLast-Studie von Metzger und Schulmeister bezogen, sie hat viel erhoben und interpretiert, fertig war eine Einreichung für die dghd-Tagung, die auch für einen Vortrag angenommen wurde. Freut mich sehr, dass der Beitrag auch gut besucht war und ein paar weiterführende Rückfragen aus dem Auditorium kamen.

Wer sind wir eigentlich?
Wichtig – als ein vom Vorstand mit Unterstützung der Tagungsausrichter organisierter Teil der Tagung – ist mir noch ein Blick auf die Podiumsdiskussion zur Zukunft der Hochschuldidaktik. Grundlage war hier das zur Diskussion bereits von der Mitgliederversammlung der dghd verabschiedete Positionspapier Hochschuldidaktik 2020. Neben ein paar noch folgenden Notizen, die ich mir zu den Aussagen aus dem hochrangigen Podium und der dortigen wirklich wichtigen und guten Diskussion gemacht habe, liegt mir folgendes am Herzen:
Was auf dem Podium noch unterbeleuchtet blieb oder zumindest nicht explizit wurde ist, dass es viele Leute im Qualitätspakt Lehre gibt, die von den angedachten Maßnahmen nicht profitieren werden, eben weil sie im Third Space unterwegs sind, zwischen Akademie und Verwaltung zwischen den Stühlen sitzen und sich dort dafür einsetzen, dass die Entwicklung der Hochschule und der Lehre eine Aufgabe ist, die professionell vorangetrieben und begleitet wird. Kurz gesagt: Wo bleiben die Hochschuldidaktiker, wenn sie nicht (nur) Fachwissenschafler_innen oder Professorinnen und Professoren werden/sind. Wer sind wir? Und wer sieht uns so….eigentlich auch schon wieder eine Überleitung zur nächsten Jahrestagung….

Hier aber noch die Notizen zur Podiumsdiskussion, nun ja, in Notizenform:

  • Keller: Gute Lehre ist ein Job für Profis; Wichtig, dass es Zeit und Motivation gibt, ein Professionswissen zu entwickeln und nicht alle 2 Jahre die Belegschaft ausgewechselt wird
  • Donhauser: Wichtig für die Förderung sind direkte Auswirkung auf die Lehre wie bspw. bei Instudies; Im QPL bislang nur punktuell: Wandel, dass sich Hochschullehrende als Lehrende begreifen; didaktische Ausbildung; man muss reingehen in die Fächer
  • Merkt: Wenn wir Qualität kontrollieren, dann geht das nur, wen die Kriterien von Lehrenden mitentwickelt werden.
  • Donhauser: QPL als institutioneller Schub gedacht; Viele haben Anreize gesetzt, in die Forschung zu gehen; Instrumente á la DFG für die Lehre wichtig; LehrehochN macht da ein gutes Angebot in die Richtung
  • Esken: Hochschulen müssen eigenen Anspruch an die Lehre entwickeln und die Politik kann dazu Rahmenbedingungen schaffen; Forschung zur Hochschuldidaktik ist wichtig
  • Donhauser: Habe in der 2. Antragsrunde sehen können, wie Best-Practice diffundiert ist; Wenn man überhaupt keine Maßnahmen nach dem QPL macht, dann brechen Sachen zusammen, die nicht wegbrechen sollen.
  • Teuscher: Digitalisierung als Impuls für den Restart der eigenen Lehre; Neuberufene müssen in den ersten Jahren substantiell unterstützt werden
  • Donhauser: haben mit Frau Wanka darüber diskutiert, dass das verlorenes Wissen wäre, wenn das (QPL) nicht weitergehen würde.
  • Keller: Das Thema Lehrakademie ist auf europäischer Ebene nicht tot
Und wer den langen Blogpost bis hier hin durchgelesen hat, hat sich noch eine Belohnung verdient, nämlich einen Hinweis auf eine schöne Keynote, die als Gegenpol zur Eröffnungskeynote zusammen mit Hinweisen zur Zeitersparnis (z.B. darauf wie sehr sich mündliche Prüfungen im Vergleich zu schriftlichen rechnen, Folie 22) gerade die Quality-Time mit Studierenden aber auch die Bedeutung familiärer Quality-Time betonte: 
Stimulating meetings in Bochum – thank you!
My slides here: https://t.co/LwTrlyGxH6

#dghd16 pic.twitter.com/ug3YnC3Sjp

— Kristina Edström (@KristinaEdstrm) 23. September 2016

Currywurst-Portfolio

Noch ein letzter Hinweis auf die kleinen Feinen Sachen die zeigten, wie sehr die Tagung von den Tagungsorganisator_innen beim ifb-Bochum und den weiteren in Bochum Beteiligten durchdacht war. Ein Portfolio mit Reflexionsfragen zu dem Tagunsgprogramm unterstützte unter dem Motto Gute Lehre erkennen, entwickeln, etablieren dabei, den individuellen Gewinn aus der Tagung festzuhalten. Fand ich einfach genial. Und dann passend zu Bochum und Grönemeyer dann noch ein Currywurst-Stand.
Es gab viele solcher Kleinigkeiten auf der mit über 500 Teilnehmenden wieder sehr großen Tagung. Was will man mehr?

Nach der Tagung ist vor der Tagung ist Vorfreude
Da wir in diesem Jahr mit der Tagung ausnahmsweise im September waren, ist die nächste Tagung schon wieder recht nah: Vom 8.-10. März (Preconference am 7.3.) wird die Jahrestagung der dghd unter dem Motto Prinzip Hochschulentwicklung – Hochschuldidaktik zwischen Profilbildung und Wertefragen an „meiner“ Hochschule, der TH Köln stattfinden. Der (verlängerte) Call läuft noch wenige Tage bis zum 24.10., vielleicht sieht man sich also in Köln. Vofreude ist definitiv da und steigend!

5 Antworten auf „Currywurst-Portfolio – dghd16 in Bochum“

  1. Hi Oliver,
    danke für die Nachfrage. Zunächst einmal die Überlegung, dass sich an vielen Hochschulen eine Praxis der Hospitation etabliert hat, die strukturiert, mit Handreichungen, meist in Programmen unter Kollegen moderiert erfolgreich stattfindet und Einiges bewirkt. Wenn Settings aber zunehmend auch digital werden: Wie hospitiert man dort? Da ist vieles ähnliches, manches aber nicht. Darüber haben wir in der AG gesprochen und wollten das mit mehreren noch ausarbeiten. Interesse?

  2. Oh, ich Hohlkopf… Ich hatte tatsächlich in Richtung "digital bei Analogveranstaltungen dabei" gedacht 😉

    In diesem Fall hilft vielleicht aber meine eigene Erfahrung als Teilnehmer in MOOCs, bei denen ich es ja nie lassen kann, mir auch die Gestaltung anzusehen und mir Gedanken zu machen. So bekommt man durchaus einen Ausschnitt aus Online-Veranstaltungen mit – allerdings dürfte euch der Gedanke auch nicht neu sein 😉

  3. Das war auch diskutiert worden, also wie man in Analogveranstaltungen mit digitalen Mitteln hospitieren kann. Da gibt es m.E. aber schon viel. Spannender finde ich wie man bei digitalen bzw. Blended Learning Veranstaltung eine kollegiale Hospiation für den digitalen Part organisieren kann. Gedanken machen bei MOOCs klar, aber gegenseitig in MOOCs von Kollegen reinschauen und denen dann eine Rückmeldung zu geben wäre dann interessanter. Und da gestaltet sich dann die Auswahl des asynchronen Zeitfensters anders (weil ggf. sehr flexibel), die Art der Rückmeldung (weil ggf. medial vermittelt)….und so weiter. In Moocs habe ich auch schon mal mit dieser Motivation reingeschaut ;).

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