Was ich lernen wollte (mit/bei #OERimBlick)

tldr: Schöne OER-Tagung im coolen Carlswerk-Gelände, viele gute problemorientierte Lösungsansätze in den Pitches, aus den Keynotes leider nichts zur Verbindung von OER und KI gelernt, hat jemand da Empfehlungen?

Das darf kein Rant werden, nicht schon wieder, wie zuletzt auf dem Symposium zu KI und Prüfungen in Hagen. Wie krieg ich die Kurve? Überlegen, was ich selbst hätte anders machen, wie ich anders hätte steuern können – aber das erst am Ende.

Das hier ist eigentlich auch ein Nebenbei-Produkt, vielleicht schon das erste Problem. Die OERimBlick-Tagung hatte ich mir schon länger vorgemerkt, sie aber nicht stark in meiner aktuellen Arbeit verankert und darüber Programm, Anmeldung und die einfache Zugänglichkeit (direkt neben dem Sitz des ZLE in Köln-Mülheim neben dem Carlswerk-Gelände) vergessen. Zugang übrigens ein Aspekt, der in den 5 Vs zu OER fehlt, obwohl er ja so zentral in der OER-Definition zu Beginn erwähnt wird, wie Jöran Muuß-Merholz in einem Vortrag zu Hürden der Offenheit einleitete und als 6. V Verfügbarkeit vorschlug.

Tagung also vergessen, aber dann doch zumindest kurz hin. Leute wieder treffen, aktuelle Entwicklungen mitbekommen aber auch über die Keynotes mal klären / geklärt bekommen wie KI und OER sich zueinander verhalten. Hier bin ich leider auch nach der Konferenz nicht schlauer. Die auf den Bereich Schule bezogene Keynote verknüpfte KI und OER lose, man könne den Material-Begriff von OER erweitern und dann die offene KI Nutzung, das Teilen von KI-Lösungen / Ergebnissen / Tools auch darunter fassen (wenn ich das für das Lernen und Lehren mit offener Lizenz mache, ist es aber doch OER nach der Unesco?!) Ansonsten ging es um eine (neue) Plattform, die eine Lücke schließen sollte. „Noch eine Plattform?“ darüber wurde dann vor Ort schon genug diskutiert. Von mir hier nur noch: Wenn in einem Puzzle, das die Notwendigkeit der Plattform mit verschiedenen Elementen darstellt, die Gruppe der Lernenden als Puzzleteil fehlt, dann muss man schon die Ausgangslage kritisch in Frage stellen.

Wo also gibt es einen Beitrag, der auf der Höhe der technischen und didaktischen Diskussion mit Blick auf die internen Ziele der Bildungseinrichtungen, die gesellschaftlichen Anforderungen an sie und die Alltagsrealitäten von Studierenden, Schülern und Lehrer*innen und Wissenschaftler*innen zumindest anreißt, was die Entwicklungen in KI und OER füreinander bedeuten? Würde ich gerne lesen. Die vorgestellte Plattform soll immerhin durch ein Konsortium aus Bildungsforscher*innen (iwm, Pädagogische Hochschule Freiburg, Hector-Institut) begleitet entstehen, auch Verweise auf mein Bildungsraum gab es und Erfahrungen von dort sollen genutzt werden. Dass dann allerdings der Begriff Prosumer genannt wurde, den ich das erste Mal 2018 auf der GMW in Krems hörte, lässt mich skeptisch (und alt) zurück.

Die zweite Keynote richtete sich auf den Hochschulbereich, mit kleinen Impulsen zur Schule, das Thema OER kam aber erst gar nicht auf – zumindest nicht explizit. Wo ich dem Keynotespeaker (zum Teil!) folgen würde: „-Die Interaktion der Menschen kann ich nicht gestalten, die machen die selbst, aber ich kann die Umgebung gestalten.“ Eine Umlagefinanzierung für KI-Nutzung in Form einer Genossenschaft zu finanzieren fand ich interessant, ansonsten war es sicherlich gut, wichtig und richtig, die Möglichkeiten und das Netzwerk von HAWKI in diesem Rahmen zu präsentieren.

Was dagegen toll war zu erleben, waren die Pitches: Viele Ideen, die an konkreten Praxisproblemen gut ansetzten, mit viel Esprit und Lösungswillen. Bin sehr gespannt, von welchen wir aus dieser zweiten Förderung im Programm noch mehr hören werden.

Bleiben ein paar Worte zur Atmosphäre und Selbstkritik: Überall offene Türen für Workshops, locker einladende Gesprächskultur und ein höchst angenehmes Raumgefühl.

Meine Learnings? Nächstes mal nehme ich mir mehr und fokussierter Zeit und mindestens zwei drei Stichworte und Lese-Ideen zu den Fragen mit, zu denen ich was lernen will. Das gleiche ich mit den Keynote-Speakern (und deren Hintergründen ab).  Vielleicht ja auch aus Hinweisen von Euch zu diesem Blogbeitrag dazu, wie man OER und KI verbinden oder nicht verbinden kann, wie sich Themen dort vermischen, ergänzen oder – eher meine völlig unausgearbeitete Vermutung bislang – gegenseitig stören. Setzt aber – siehe oben – mehr  Zeit voraus. Lernen braucht immer auch Zeit und Vorbereitung, vor allem wenn man das Setting nicht mitsteuert, wie das bei Vortärgen, Keynotes aber auch Vorlesungen ja meist der Fall ist. Also schon was gelernt, mindestens einen Impuls (Suchen, noch nicht getan!) aus der Keynote mitgenommen und viele Anregungen von tollen Leuten und kleinen Projekten!

Und naja, vielleicht war es doch so etwas wie ein Rant – dann aber mit viel Potenzial in Sachen Zuspitzung und Unterhaltsamkeit.

Stop it: Rückblick auf das Symposium Prüfen trotz und mit KI – fachspezifische Perspektiven

Ich konnte einfach nicht mehr. Und das hat natürlich zuallererst mit mir zu tun, weshalb ich jedem und jeder mit anderem Blick auf das Symposium vollstes Interesses und Wertschätzung entgegenbringen möchte und dankbar bin für die Veranstaltung. Und trotzdem. Wir sind nur auf der Oberfläche entlanggeschrubbert. Und wozu das dann wirklich gut sein könnte, hat sich mir nicht erschlossen oder ich konnte nicht die nötigen Resilienz- und Sebstwirksamkeits-Fähigkeiten aktivieren, um das anders zu sehen und mitzugestalten.

Einordnung des Titels (eilige Leser*innen solltens überspringen)

Warum? Der Titel der Veranstaltung weckte bei mir hohe Erwartungen: Eine Verschränkung eines Abwehrenden und eines ermöglichenden Blicks auf KI (trotz und mit), eine Bearbeitung aus den Fächern heraus und dann auch noch als Symposium, das heißt in einer in der Bildungsphilosophie in der Antike bei Aristoteles verankerten Modus (dass Symposium eigentlich auch Trinkgelage heißt, wie einer meiner Lieblingsprofessoren der Literaturwissenschaftler, Herbert Anton, in Düsseldorf nicht müde wurde zu betonen, zeigt vielleicht, dass ich durchaus auch Heiteres und Abgründiges in dem Zugang erhoffen würde).

Fachspezifischer Exkurs

Die Veranstaltung fachspezifisch aufzusetzen, ist ja gleich aus mehreren Gründen sinnvoll. Mindestens aus prüfungstheoretischer und -praktischer Ebene, weil wir Kompetenzen immer mit Ausrichtung auf domänenspezifische Handlungsfelder und gesellschaftliche Herausforderungen denken sollten und sie dabei disziplinär organisieren. Es können also allgemeine Anforderungen an Prüfungsqualität und Kompetenzentwicklung gestellt werden, ob und wie diese eingelöst werden (können), ist aber immer eine fachliche Frage. Ein weiterer Grund ist, dass wir ja meist immer noch von generativer KI, von Sprachmodellen sprechen, die sich einer sprachwissenschaftlichen, pragmatischen Vorgehensweise bedienen, dessen Passung für die Anforderungen in den verschiedenen Fächern ja durchaus kritisch in den Blick genommen werden muss.  Hinzu kommt eine Diskurslinie in der Hochschuldidaktik, die ich bei der Frage der Verbindung von fachbezogener Didaktik, Fachdidaktik, allgemeiner Didaktik und Hochschuldidaktik verorten würde (Jahnke & Wildt XXX 2023, Zierer 2016), die aktuell vor allem unter dem Begriff der fachsensiblen Hochschuldidaktik diskutiert wird. Ansätze der Verbindung von didaktischen Fragen und Lösungen aus der sekundären Bildung an den Schulen und den Hochschulen werden immer noch wenig verfolgt.

404 – Systemfehler Bildung not found

Dass die Hochschulen systemisch den Anspruch, Kompetenzentwicklung zu ermöglichen und Orte für Hochschulbildung zu sein, immer noch nicht gut einlösen (können), führte Oliver Reis zu Beginn aus. Ein niederschmetternder Stop-it-Aufruf? Bei gleichzeitiger Notwendigkeit das System Hochschule nicht komplett auszusetzen? Handelt es sich hier im Antinomien, unauflösbare Gegensätze (vgl. Reinmann 2017)? Für mich ist hier wichtig, den Anspruch, den Punkt zu setzen und dann zurückzutreten. Stop. Mein Plan: Dazu nochmals den Beitrag zu Offenheit und Mut zu lesen, in dem Oliver Reis und Inga Kros (2024) die Frage stellt zu welcher Kontingenz Hochschulen fähig sind und das mit Ivo van den Berks Beitrag „Zufällig gute Lehre“ (2023) zu setzen – dann KI als Thema drauflegen. In jedem Fall arbeitet das bei mir weiter, auch zusammen mit dem Impuls von André Baier auf dem Workshop des Stifterverband zum ars legendi Demokratiebildung. Er brach das bisherige Workshopsetting auf, lud zum Stuhlkreis ein und fragte dann, was bisher demokratisch gewesen sei an der Veranstaltung. Theoretische, vermutlich lesenswerte Bezugspunkte (Auszüge aus dem Thesenpapier von André Baier):

Zurück zum Symposium: In der anschließenden Diskussion hatte ich nicht den Eindruck, dass die prinzipielle Kritik nicht aufgegriffen wurde, schnell setzte man wieder bei einzelnen Prüfungsszenarien mit KI-Einsatz an, die alle von guter Integration zeugten, aber die systematische Frage der Kompetenzorientierung oder gar Bildung im System Hochschule blieb dahinter zurück. Mein Eindruck. Schlagworte / Zitate aus dem Vortrag ansonsten noch nachzulesen bei Mastodon #PrüfKiFach25 – Mastodon. Oder man kann es mit der Ankündigung eines re:publica Beitrag über Schule sagen: 404 – Bildung not found.

Professoren als Götter

Nach der ersten Keynote stiegen Juliane Staubach, Andrea Thiel und Ute Brgenzu zu einer zweiten ein, mit dem wichtigen Rückbezug, dass man ja genau an den Stellen arbeite, die Oliver Reis als Herausforderung benannt habe. Eine Verortung an einer einzelnen Stelle/Bereich im System, die Verantwortungsübernahme durch die Hochschuldidaktik / den third space für diese Herausforderung ist meines Erachtens beeindruckend, aber sogleich muss das systemisch eine Überforderung sein. So wurden in der Keynote dann auch Lösungen gezeigt, die entlang verschiedener Einsatzzwecke von KI, Erklärungen von Studierenden einforderten oder nicht und Empfehlungen zur Verwendung von KI gaben. Eine stärkere Rückkopplung an die Kompetenzorientierung und die Frage der Hochschulbildung, an die Frage von Begegnung von Bildungspartner*innen innerhalb der Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden könnte man – wenn das System Hochschule das fördern würde – als weiterführenden, tiefergehenden Ansatzpunkt nehmen. Das fehlte mir hier eklatant.

Dass dann in dem Beitrag Professoren als Götter bezeichnet wurden, die machen können, was sie wollen, passte zwar zu dem (notwendigerweise verzweifelten) Enthusiasmus in diesem Beitrag im Gegensatz zu der auch als apokalyptisch diskutierten ersten Keynote – aber kann man das wirklich so sagen? Andererseits passen so viel theologische Vibes vielleicht gerade zu dem KI-Thema, irgendwie (siehe auch den bereits von 2023 stammenden Podcast Science Fiction trifft auf Realität). Klassisch kenne ich zu der Rolle, Haltung und Verantwortung von Professoren die Einordnung in das königreich-gleiche Lehrstuhlprinzip (ich dachte bei Wildt, finde es aber gerade nicht), sowie die professionstheoretische Einordnung, in der hohe Freiheitsgrade mit diesem Beruf verbundenen werden, weil in hoher Verantwortung autonom entschieden werden können muss, in einem Beruf in welchem zentrale gesellschaftliche Werte vertreten werden, was mit Mandaten, Lizenzen zu tun hat (Szczyrba 2009).   

Wieder Vorlesungen: Promptergebnisse

Wo ich dann gleich zwei Mal – auch körperlich – ausgestiegen bin, war als Promptergebnisse einfach nur vorgelesen wurden. Wir waren also irgendwie dann wieder in der Vorlesung angekommen, zwar mit KI erzeugt, zwar als Ausgangspunkt für nächste Schritte und Interaktionen, aber das fühlte sich dann doch nach einem enormen Performanz-Gefälle an und irgendwie lieblos.

Das erste Mal wurde vorgelesen in einem vom Ansatz aus der kritischen Zukunftsforschung, den ich grundsätzlich total wichtig und richtig empfand. Verschiedene Variablen nach Gewichtung miteinander kombinieren, um mehrere Szenarien zu diskutieren. Ein Ansatz, der dann aber in den ausgeführten, KI-unterstützten Szenarien auch irgendwie beliebig, oberflächlich wirkte. Vielleicht macht es Sinn, die Szenarien nochmal in Ruhe nachzulesen, vor Ort war mein Impuls ein ablehnender.

Das zweite Mal, als mit KI-Unterstützung erzeugte Use-Cases zum Einsatz von KI in Prüfungen aus verschiedenen Fächern vorgestellt wurden, die auf Postern ausgedruckt präsentiert und vorgelesen wurden.

Vielleicht ist es nur eine Ablehnung des künstlich produzierten und dann für eine Rezeption vorgetragenen künstlichen Produkts meinerseits – also ein Vorurteil über die Qualität. Aber mein Eindruck war schon, dass anders erstellte Stories eine andere Qualität gehabt hätten und die Menschen anders in Kontakt und Diskussion gebracht hätten. Letzteres können aber die besser beurteilen, die da noch dabei waren. Ich lass mich gerne korrigieren.

Trotzdem weitermachen, denn KI wird und alle retten, es sei denn…

Das Thema weiter anzugehen, die Perspektiven zu verschränken und gerne auch in einem Symposium bleibt ja trotzdem wichtig. Mehr Zeit, die anwesenden Personen miteinander ins Gespräch zu bekommen und dabei in der Tiefe die fachlichen Anforderungen mit den prüfungstheoretischen zu verbinden, dazu wären weitere Schritte sicherlich sinnvoll. Vielleicht lag es aber auch an mir, ich versuche mich immer wieder auf verschiedenen Wegen mit unterschiedlichem Erfolg dem Thema KI zu widmen, z.T. mit einem mindestens ambivalenten Gefühl, weil ich immer noch nicht den Eindruck habe, dass KI eine Lösung für eines der vielen wirklich drängenden Probleme bietet, die wir haben (siehe auch Vortrag von Matthias Spielkamp KI wird uns alle retten. Es sei denn, sie tut es nicht auf der re:publica24). Sie ist halt jetzt da, und klar, hoffentlich kann man sie gut für etwas nutzen. Update (17.04.) Die Materialien / Folien des Symposiums sind auf der Webseite des Symposiums abrufbar! 🙂 – also gerne nachlesen und sich ein eigenes Bild machen oder meinen Blogbeitrag kritisieren.